29.05.09 - Fulda - "Lebst Du noch oder zockst Du schon?" - "Lachst auch Du über Armut?" - "Auch mit 12 den ersten Vollrausch gehabt?" - "Sind Narben schöner als kleine Brüste?" - Mit solchen provokanten Fragen - und den passenden präsentierten Szenen - konfrontierten in dieser Woche sieben Schülerinnen der Winfriedschule in Fulda ihre Mitschülerinnen und Mitschüler auf dem Schulareal. Die Protagonistinnen der sozialkritischen Aktionskunst - Anna-Lena Hoenig, Stefanie Hoehl, Ann-Kathrin Honikel, Johanna Hosenfeld, Luisa Katemann, Angelina Setz, Lea Walter - sind Mitglieder des Grundkurses "Darstellendes Spiel" der Stufe 12 der Winfriedschule.
Die jungen Frauen hatten sich im Rahmen ihres Kurses nicht die Interpretation von Klassikern oder die Einstudierung zeitgenössischer Dramen vorgenommen, sondern etwas viel Schwierigeres: ganz konkret die Probleme der Jugend heute darstellen und den Altersgenossen einen Spiegel vorhalten. Mit dem besonderen Unterrichtsprojekt stießen die sieben Darstellerinnen auf konträre Reaktionen: hohe Zustimmung und fragwürdige Kritik durch Beleidigungen. Doch das Fazit der engagierten Schülerinnen: "Wir haben etwas bewegt."
In dieser Woche hatten die sieben Schülerinnen ihr ungewöhnliches Projekt umgesetzt. Gestartet war es am Montag: so wurden die ahnungslosen Schüler und Lehrer am Wochenanfang von einem großen Plakat mit der Aufschrift „ KILLER?!“ begrüßt, dazu konnten sie die Darstellenden mitten auf dem Schulhof bei einer nachgestellten LAN-Party beobachten. "Gewürdigt" wurde die Kritik an „Computersucht und Medienmissbrauch“ mit Zurufen wie „Versager!“ oder „ Kann ich auch mitzocken?“ einzelner Mitschüler. Das Ziel der Gruppe war es, auf Probleme der heutigen Jugend hinzuweisen. Dazu hängten die Schülerinnen provokative Fragen und Informationsplakate zu den jeweilig angesprochenen Problemen auf.
An jedem Tag war ein anderes Thema "dran", zu dem es in der großen Pause demonstrative Szenen gab, die den Altersgenossen die Schwierigkeiten der Themen näher bringen sollten. Am Dienstag konzentrierte sich die Gruppe auf das Thema „Sexualität und junge Mütter“ - dafür hatten die jungen Frauen eine Szene über junge und überforderte Mütter simuliert. Die Frage „Auch mit 12 den ersten Vollrausch gehabt ?“ leitete am Mittwoch das Thema „Komasaufen“ ein. Auf dem Pausenhof versammelten sich massenweise Zuschauer, um dem "Gelage der Trinkenden“ zuzuschauen.
Abschließend thematisierten die sieben am Donnerstag „Magersucht, Schönheitsoperationen und Markenzwang“, indem sie mit Fragen wie „Dill oder Döner?“ provozierten und danach fragten, ob man mit "Markenklamotten" wohl besser sei als andere.
Insgesamt erfuhr die Truppe im Laufe der Woche sowohl großen Zuspruch als auch herbe Kritik, zum Teil auch durch unsachliche Beleidigungen. Vielleicht ist dies aber auch ein Beleg dafür, wie nah die sieben Schülerinnen mit ihrer sozialkritischen Aktionskunst an das Selbstverständnis Gleichaltriger und die Themen heran gekommen sind, die junge Leute "umtreiben". Die Bilanz der Gruppe fiel positiv aus: trotz geteilter Meinungen zu den Darstellungen sind sie "sehr zufrieden", mit ihrer Aktion etwas bewegt zu haben. +++ |